Das Kulturmobil war wieder unterwegs!

Unser Kulturmobil war gestern wieder unterwegs und machte Station vor dem Theater Bremen – im Rahmen einer besonderen Veranstaltung von Donka Dimova: „Das Haus in der Ferne“.

Zwischen Goetheplatz und Theaterfassade entstand ein offener Kulturraum im Stadtraum selbst. Das mobile Bühnenformat brachte Literatur und Performance direkt vor das Gebäude und verwandelte den Ort in einen spontanen Begegnungsraum für Publikum, Passant*innen und Beteiligte.

Im Mittelpunkt des Abends stand Donka Dimovas literarischer Blick auf ein symbolisches Mehrfamilienhaus in Gröpelingen. Dieses Haus ist weniger ein konkreter Ort als vielmehr ein verdichtetes Gefüge aus Geschichten, Erinnerungen und Lebensrealitäten. Menschen aus Bulgarien, der Türkei, Bremen und anderen Orten leben hier nebeneinander, verbunden durch die Figur der Nadezda – deren Name „Hoffnung“ bedeutet. Sie fungiert als verbindende Stimme, die die Bewohner*innen zum Sprechen bringt und die einzelnen Perspektiven miteinander verknüpft.

Stockwerk für Stockwerk entfaltet sich so ein vielstimmiges Panorama: Anekdoten aus dem Alltag, Gespräche über das Leben im Ausland, Weisheiten, Bruchstücke von Biografien und bulgarische Lieder fügen sich zu einem Bild einer Gesellschaft, die oft am Rand wahrgenommen wird und doch sehr nah an den alltäglichen Realitäten liegt. Das Haus wird dabei selbst zum literarischen Raum, in dem unterschiedliche Erfahrungen übereinandergeschichtet sind.

Donka Dimova, die in Bulgarien aufwuchs und später in Bremen und Hannover Politik und Soziales studierte, arbeitet in ihrem Schreiben immer wieder an diesen Übergängen zwischen Sprache, Herkunft und sozialem Kontext. Ihre bisherigen Gedichtbände auf Bulgarisch – „Превод на ежедневието / Übersetzung des Alltags“ (2015) und „На границата. Поезия в пукнатина / An der Grenze. Poesie aus dem Riss“ (2022) – setzen sich ebenfalls mit Grenzerfahrungen auseinander. „Mehrfamilienhaus ohne Aussicht“ ist ihr erster auf Deutsch geschriebener Gedichtband und führt diese Themen konsequent weiter.

Ein prägnanter Moment des Textes beschreibt das Haus als fragmentierte Struktur:
„Als wäre dies ein Puzzlehaus / zersplittert und zusammengeklebt / vom vielen Kommen und Gehen, / vom Kurz-Verweilen und Lang-Ausharren.“
Und an anderer Stelle verdichtet sich die Erfahrung von Öffnung und Schließung in der wiederholten Zeile: „open-closed / open-closed / open-closed“.

Das Kulturmobil selbst wurde dabei zu mehr als nur einer technischen Bühne. Es fungierte als beweglicher Resonanzraum, der Literatur aus dem institutionellen Rahmen heraus in den öffentlichen Raum trägt und dort unmittelbar erfahrbar macht. Vor dem Theater Bremen entstand so ein Setting, in dem Stadt, Text und Publikum ineinandergreifen konnten.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit Visionskultur und globale° statt und war Teil der ersten Aktionstage „Zusammenhalt in Vielfalt“.

Podcast

Höre rein in unseren Podcast und lerne unsere Projekte kennen.

newsletter
Erfahre wöchentlich welche Angebote und Workshops auf dich warten.
Newsletter
[contact-form-7 id="19" title="Newsletter form"]
chevron-down