Was braucht es, um in Deutschland zu gründen, wenn neben der Geschäftsidee auch Sprache, Bürokratie und ein neues System gemeistert werden müssen? Rund 50 Teilnehmende kamen zum Auftakt unseres Founders Studios „Fokus.Migration“ im Creative HUB zusammen, um genau darüber zu sprechen. Bei „Gründung, Migration & Pizza“ standen persönliche Erfahrungen, bestehende Hürden und vor allem der gemeinsame Austausch im Mittelpunkt.
Schon beim Ankommen waren die Teilnehmenden gefragt: Auf Moderationswänden konnten sie ihre persönliche Motivation, Schwerpunkte, wahrgenommene Hürden und erste Ideen festhalten. Denn an diesem Abend sollte nicht nur über migrantische Gründungen gesprochen werden, sondern vor allem mit den Menschen, die selbst Erfahrungen mit dem Thema gemacht haben.
Drei Workshops – von Erfahrungen zu konkreten Lösungen
„Gründung, Migration & Pizza“ bildete den Auftakt der dreiteiligen Workshop-Reihe Founders Studio: Fokus.Migration. Ziel des ersten Abends war es, migrantische Gründungen sichtbarer zu machen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und einen offenen Austausch über Chancen, Herausforderungen und persönliche Erfahrungen zu ermöglichen.
Dabei ist der Auftakt nur der erste Schritt. Im zweiten Workshop stehen konkrete Tools, Beratungsangebote und Anlaufstellen im Mittelpunkt, die migrantische und internationale Gründer*innen auf ihrem Weg unterstützen können.
Im dritten Workshop geht es schließlich vom Austausch ins gemeinsame Entwickeln: Zusammen mit Gründer*innen sowie Expert*innen aus Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft sollen konkrete Ansätze erarbeitet werden, mit denen migrantische Gründungen gestärkt werden können. Die Erkenntnisse aus allen drei Terminen fließen dabei zusammen und sollen am Ende in konkrete Projekte oder auch Handlungsempfehlungen für Politik, Verwaltung und weitere Akteur*innen des Gründungsökosystems münden.
Drei Wege in die Selbstständigkeit
Wie unterschiedlich diese Wege aussehen können, zeigten drei Gründer*innen, die beim Auftakt ihre persönlichen Geschichten mit den Teilnehmenden teilten.
Manuela di Bari von KlarpressWerk kam ursprünglich aus Italien zum Studium nach Deutschland und arbeitete anschließend in der Nahrungsmittelbranche. Ihre Begeisterung für Lebensmittel machte sie schließlich zur Grundlage ihrer eigenen Selbstständigkeit. Mit ihrer gläsernen Ölmanufaktur setzt sie auf vollständig nachvollziehbare Lieferketten und möchte Produzent*innen und Konsument*innen wieder näher zusammenbringen.
Omar Chehade vom Delmenhorster Sicherheitsdienst verbindet seine Selbstständigkeit mit Bildung und Sprache. Als zertifizierter Bildungsträger bietet das Unternehmen unter anderem deutsch-arabische Sprach- und Sicherheitsschulungen an.
Salam Halwani richtet sich mit Workshops, Kursen und Beratung insbesondere an migrantische Frauen. Im Mittelpunkt stehen Orientierung und Empowerment – und damit die Unterstützung von Frauen dabei, eigene Perspektiven zu entwickeln und ihren Weg selbstbestimmt zu gehen.
Drei Geschichten, drei unterschiedliche Geschäftsmodelle – und gleichzeitig Erfahrungen, an die viele Teilnehmende des Abends anknüpfen konnten.



Zwischen Bürokratie, Sprache und Unterstützungsnetzwerken
Nach den persönlichen Einblicken ging es in kleineren Gruppen weiter. Anhand verschiedener Leitfragen diskutierten die Teilnehmenden ihre eigenen Erfahrungen, Herausforderungen und Ideen. Schnell entstanden lebhafte Gespräche, die anschließend gemeinsam mit den drei Speaker*innen weitergeführt wurden.
Viele Fragen drehten sich darum, wie persönliche Herausforderungen überwunden werden konnten. Gleichzeitig ging es um die größeren Rahmenbedingungen: Wie unterscheidet sich Gründen in Deutschland von anderen Ländern? Was funktioniert gut – und was weniger? Welche Netzwerke und Unterstützungsangebote helfen wirklich? Und an welcher Stelle muss man vielleicht trotz aller Unsicherheiten einfach anfangen?
Bürokratie und Sprache wurden dabei immer wieder als Herausforderungen genannt. Gleichzeitig hoben die Teilnehmenden die vielfältigen Unterstützungsangebote hervor, die Gründer*innen in Bremen bereits nutzen können.
Auch die Angebote von Visionskultur spielten dabei eine Rolle. Manuela di Bari beschrieb den Wert eines Ortes, an dem Gründung nicht allein stattfinden muss:
„Anstatt zuhause zu sitzen und auf den Bildschirm zu starren, kann man in den Hub kommen, andere Gründende treffen, sich austauschen und dort arbeiten, wo auch andere ihre Ideen weiterentwickeln.“
Omar Chehade berichtete wiederum von seinen Erfahrungen mit dem Coaching bei Visionskultur:
„Es war eine riesige Hilfe, dass ich beim Coaching von Visionskultur mit meiner Coachin Karin einen richtigen Masterplan für den Gründungsverlauf entwickelt habe.“
Damit wurde an diesem Abend auch deutlich, wie wichtig neben formalen Beratungsangeboten Räume für Begegnung, persönliche Begleitung und der Zugang zu einem Netzwerk sein können.
Der Auftakt ist gemacht
Nach der gemeinsamen Diskussion und lautstarkem Applaus ging der Abend bei Pizza und offenem Netzwerken weiter. Und obwohl die eigentliche Öffnungszeit des Creative HUB längst vorbei war, waren viele Teilnehmende noch immer in Gespräche vertieft, tauschten Erfahrungen aus, knüpften Kontakte und diskutierten weiter.
Genau dieser Austausch bildet die Grundlage für die nächsten Schritte von Fokus.Migration. Denn die rund 50 Perspektiven des ersten Abends sollen nicht im Raum bleiben: In den kommenden Workshops werden sie weitergedacht, mit bestehenden Unterstützungsstrukturen zusammengebracht und schließlich in konkrete Lösungsansätze übersetzt.
Der erste Workshop hat für alle sichtbar gemacht, wo Chancen und Herausforderungen liegen. Jetzt geht es darum, aus diesen Erfahrungen gemeinsam Wege zu entwickeln, die migrantische und internationale Gründungen nachhaltig stärken.